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Die Sorgen einer Mutter

 
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MinniMaus
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Anmeldungsdatum: 29.09.2002
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Beitrag Verfasst am: Sa Okt 20, 2007 1:55 am    Titel: Die Sorgen einer Mutter Antworten mit Zitat

Es gibt eine gewisse Gemeinsamkeit zwischen menschlichen
Gefühlen nach einem Regen und einer Nacht voll Tränen


"Wieder einer dieser Tage....". Sie nestelte mit ihren Fingern in
ihrem gestrickten Halstuch, in einer willkürlichen Bewegung, so wie
sie es immer tat wenn sie nervös wurde. Es war die Nacht der
Rückkehr. Diese Nacht, die sie so sehnlich erwartete und doch
hasste, ja fürchtete.

Ihr ganzes Leben war unterteilt nur in jene Nächte, Jahr für Jahr.
364 lange Tage und Nächte, bis diese eine Nacht kommt, die Nacht
in dem er zurückommen wird. 20 Jahre. Ein ganzes Leben...
wartend, lauernd. Zuerst auf ihren Mann. Dann auf ihren Sohn.
Dass sie zurückkommen würden, für einen Urlaub, eine
Erholungspause, nur um sich dann wieder zu verabschieden.

Tränen schossen ihr in die Augen. Mit brüchiger Stimme sprach sie
zu sich selbst, dann schrie sie, schrie in das leere Haus:

"Warum? Warum? Was habe ich getan um das zu verdienen? Ach
Steven... Steven, du meine Liebe, wieso? Wieso du? Wieso wir?
Dunkelzahn, was hast du uns nur angetan? Mir angetan?"

Sie ballte ihre Fäuste. "Nein..." Zuerst leise, dann festigte sich ihre
Stimme, mit jedem Faustschlag auf den Tisch gewann sie an Kraft.

"NEIN!" Zitternd rang sie um ihre Fassung. "Ich werde nicht weinen.
Nicht diese Nacht. Nicht, wenn mein Sohn nach Hause kommt!". Sie
stand auf, lief frenetisch in Kreisen durch das Wohnzimmer,
versuchte sich abzulenken. Hin zur Wand voller Photos. Zwang sich,
diese anzusehen.

Langsam und Bild für Bild. Fand es. Ihre Hochzeit. Was für ein
schöner Tag. Hier war sie, mit dem Mann ihrer Träume. Jung. Schön.
Maria Ericson. Endlich. "Steven....". Sanft, als drohe es unter ihrer
Berührung zu zerfallen, strich sie mit ihren Fingern über dieses Bild.
"...NEIN!". Etwas anderes. Sie musste irgendetwas anderes tun um
sich abzulenken. Fernsehen. 391 Kanäle. Soaps und Talkshows.
Eine gute Idee, andere Stimmen in diesem leeren Haus.

Sie wählte auf gut Glück einen Kanal. Nachrichten. Auch gut.


"Guten Abend, hier ist ihre Nachrichtensprecherin Linda McKennzie
mit den stündlichen Nachrichten auf KNBC-TV.

Wiltshire, Grossbritannien. Die lokalen Polizeieinheiten berichteten
über einen terroristischen Anschlag auf die weltberühmten Steine
von Stonehenge. Gemäss der Aussage des Presseoffiziers Greg
O'Malley sah der Zeuge Steve Plumbergold, ein Hirte, 4 Humanoide
Personen in das Gebiet eindringen, nur Minuten bevor eine grosse
Explosion mehrere 10 meter Krater riss und die sogenannten
"Center Stones" in einen Haufen Geröll verwandelte.

Zur Zeit prüft Interpol, ob diese Attacke möglicherweise mit den
Bombenanschlägen vor drei Monaten auf das sogenannte Gebäude
"J" in der Archaeologischen Ausgrabungsstätte Monte Alban in
Oaxaca, Atzlan zusammenhängt. Gleiches gilt für die Explosion in
Sheikh Abd el-Qurna, Ägypten vor einem halben Jahr, bei der die
museale Tempelanlage mit der Grabesstätte der Priesterin
Henut-Tawy total zerstört wurde.

Paris, Frankreich. Ein ungewöhnlich starkes Gewitter, welches
gestern nacht über die Hauptstadt von Frankreich zog, erzeugte
Schäden in Millionenhöhe durch Blitzeinschläge und Hagelschlag.
France Telecom verlor dabei alle Übertragungsstationen ihres
Sim/Com Netzes auf dem Eiffelturm. Die Pariser Feuerwehr berichtet
von Löschaktionen gegen Brände im Louvre, welche offensichtlich
durch mehrfachen Blitzeinschlag auf dem Dach des Museums
ausgebrochen sind.

Die Ausstellung über die Reichtümer Indiens wurde dabei ein Raub
der Flammen. Die Pressestelle des Museums bestätigte, das
offensichtlich durch Hitzeeinwirkung die grosse kristallene Siddarta
Perle in tausende Scherben zerbrochen ist."

"NEIN!". Der Bildschirm flackerte, als sie immer schneller die Kanäle
wechselte. Hoch, runter, jeder Kanal konnte sie nur für Sekunden
halten. Und in dem Moment, als die Gefühle, die sie 364 Tage in sich
begraben hatte, hochzukochen drohten, in ihr aufwallten wie
kochende Lava in einem Vulkan kurz vor dem Ausbruch, lenkte sie
ein Geräusch ab. Ein Motor. Autotüren, die zugeschlagen wurden.

Maria zuckte zusammen. "Kann es sein...?". Und mit diesen Worten
auf ihren Lippen, stand sie auf, rannte zum Küchenfenster und
schlug die Vorhänge beiseite. Es war finster, und es schien junge
Hunde zu regnen. Sie sah die Lichter eines Autos, hörte die Stimme.
Die Stimme, auf die sie so sehnlich wartete, all diese Tage und
Nächte, so wie nur eine Mutter nach dieser Stimme verlangen
konnte.

"Bye Joe, ich seh dich morgen, ja?" Ein junger Mann drehte sich zum
Hause um und lief zur Tür, wurde klitschnass auf diesem kurzen
Weg die Auffahrt hoch.

Die Tür stand offen. Und durch den Regen und den Nebel sah man
einen Lichtschein. Maria stand darin wie eine Statue, wagte es
nicht, sich auch nur einen Millimeter zu bewegen, hoffend, das dies
nicht ein Wahntraum war, das ihre Gefühle sie nicht überwältigt
hatten. Als er näherkam, begann sie zu zittern. Wurde beinahe
ohnmächtig, als er seine Hände auf ihre Schultern legte.


Und dann hörte sie die befreienden Worte, wusste, das es endlich
so weit war: "Ich bin zurück..."

"...zurück.." wisperte sie, "...zurück...". Mechanisch wiederholte sie,
was sie hörte, weit weg, durch einen Schleier.

Er sah ihr in die Augen, hielt ihre Hand. Standen nur so da, einen
Atemzug, noch einen. Sprachen kein Wort, sahen sich nur an. Sie
richtete Ihren Kopf nach oben, ihre Augen voller Tränen, eine Flut,
zurückgehalten von einem Damm, Sekunden vor dem Bruch. "Mama,
ich bin zurück. Oh Mama, ich bin wieder daheim... ich hab dich so
vermisst..."

Unendlich langsam fuhr sie mit zitternden Fingern an seinen
Schultern hinab, dann griff sie zu. Vorsichtig zuerst, um sich
endgültig zu überzeugen, dann fester, um ihren Traum
festzuhalten, um ihn nie wieder zu verlieren. Umarmte ihn, fester
und fester.

Der Damm brach, niedergerissen durch aufgestaute Tränenfluten in
einem Jahr sorgendurchwachter, einsamer Nächte. Tränen flossen
und vermengten sich mit den fallenden Regentropfen.

"CJ... CJ... ich hab dich ja so vermisst. Mein Sohn... jeden Tag, so
vermisst...".

Und mit jeder Träne wurde ihr Herz wieder leichter, wuschen diese
über die Alpträume und die Furcht hinweg, die sich in Ihr Gesicht
gegraben hatten, streichelten sie wie keine Finger es je gekonnt
hätten. Liessen sie die Bürde akzeptieren, das Schicksal welches
der Drache ihnen auferlegt hatte.

Irgendwann später in der Nacht. Es war wieder dunkel im Haus,
und still. Sie sass an seinem Bett, beobachtete ihn in seinem Schlaf,
wachte über ihn, so wie sie es schon 20 Jahre zuvor getan hatte,
als er noch ein Kind war. Zusammen mit ihrem Mann. Damals, als
auch sie noch für die Draco Foundation arbeitete. Sie fühlte ihn
beinahe, an ihrer Seite, als sie in die Dunkelheit lauschte und
den Wind und den Regen rauschen hörte, zusammen mit dem
langsamen, tiefen Atmen ihres Sohnes.

Morgen würde ein guter Tag werden. Und sie würde ihn beim
Frühstück fragen, was er über Stonehenge erzählen konnte. Und
Atzlan. Als sie aufstand, und seine feuchten Klamotten über einen
Stuhl faltete, fand sie eine Tasche. Mit einer gläsernen Kugel darin.
Schwer. Sie ging zum Fenster, und im schummrigen Licht das von
einer der nahen Strassenlampen kam erkannte sie eine Stadt. Der
Eiffelturm.

Und kleine Flocken tanzten schimmernd über den Dächern. Ein
kleines Schild, sie las "Je t'aime France". Paris. Ja, und sie würde
nach Paris fragen. Definitiv.
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9 von 10 Stimmen in meinem Kopf sagen mir das ich nicht verrückt bin. Die 10te Stimme summt eine Melodie von Tetris.
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Beitrag Verfasst am: Sa Okt 20, 2007 1:55 am    Titel: Werbepause


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